Klausuren

Hier findest du komplette Klausuren, Interpretaionen und Aufsätze von Schülern zu Homo Faber, Agnes, Dantons Tod und co.

 

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Peter Stamm – Agnes: http://basissatz.com/agnes-interpretation-klausur
(13 Punkte Interpretations-Klausur)

Max Frisch – Homo Faber: http://basissatz.com/homo-faber-interpretation-klausur
(12 Punkte Interpretations-Klausur)

Herbert Eisenreich – Am Ziel: http://basissatz.com/am-ziel-interpretation-klausur
(15 Punkte Interpretations-Klausur)

 

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Klausur Agnes:

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Thema  der Klausur: Peter Stamm „Agnes“ – Interpretationsaufsatz

Ergebnis  der Klausur: 13 Punkte

Textstelle der Klausur: Kapitel 30 (S. 131 – 133)

Aufgabenstellung der Klausur:

  1. Ordnen Sie die Textstelle in den Kontext des Romans ein. Beschränken Sie sich dabei auf die zum Verständnis der Textstelle wesentlichen inhaltlichen Aspekte der vorangegangenen Handlung.
    Interpretieren Sie den Textausschnitt im Hinblick auf das Verhältnis des Erzählers zu Agnes, das sich hier ausdrückt.
  2. Stellen Sie die Beziehung zwischen Agnes und dem Erzähler dar und beziehen Sie sich dabei auf das Ganze des Romans.

 

Interpretationsaufsatz / Klausur (Copyright © von basissatz.com):

(hier auch als PDF-Datei zum downloaden)

In seinem ersten Roman „Agens“ aus dem Jahre 1998 lässt der zeitgenössische Autor Peter Stamm seinen namenlosen Ich-Erzähler seine Beziehung zu „Agnes“ rekonstruieren, für die er – der Ich-Erzähler – ein erzählerisches Portrait ihrer Person verfasst, welches jedoch – so die schockierende Behauptung gleich zu Beginn des Romans – die Titelfigur „getötet“ habe.
Gleichzeitig vermischen sich in der Rahmen- und Binnenhandlung Schreiben, Wünsche und emotionale Konflikte zu einem gefährlichen Spiel um Liebe und Dominanz.

Zum ersten Mal treffen sich Protagonist und Protagonistin in der „Chicago Public Library“. Dort beginnt sich eine isolierte Liebesbeziehung schnell zu entfalten. Die Romanze nimmt weiter Ihren Lauf und so erfährt Agnes, dass der Ich-Erzähler Autor ist. Begeistert davon wünscht sie sich ein „Portrait“ ihrer selbst in Form einer Geschichte, welches sie so zeigen soll wie sie wirklich ist. Unter Vorbehalt willigt der Ich-Erzähler ein. Von hier an ist ein deutlicher Wendepunkt in der Liebesbeziehung zu erkennen. Fiktive Geschichte und Realität vermischen sich immer mehr und Agnes wird zum Geschöpf des Ich-Erzählers. Das Schreiben gerät außer Kontrolle. So auch die Beziehung der beiden, als Agnes ankündigt schwanger zu sein. In einem Disput gehen die Protagonisten vorerst auseinander. Agnes kündigt an sich bei einem alten Freund, Herbert, zurückzuziehen, was lässt den Ich-Erzähler Eifersucht verspüren lässt. Im weiteren Verlauf kommen die beiden aber wieder zusammen durch Initiative des Ich-Erzählers. Agnes verkündet hierbei, dass das Kind nicht lebensfähig zur Welt gekommen ist. Hier zeigt sich erneut, wie weit Realität und fiktive Geschichte auseinanderdriften. In der Fiktion läuft die Beziehung prächtig und das Kind ist gesund und munter zur Welt gekommen. In der Realität zeigt sich hingegen das komplette Gegenteil. Die Liebesbeziehung zerbricht weiter.
Die Textstelle von Seite 131-133 nimmt ab hier, einen Tag nach Weihnachten, ihren Lauf.
In den weiteren Passagen des Romans nimmt die Vitalität der Beziehung konstant ab. Der Ich-Erzähler versucht sich heimlich an einem Schluss für seine fiktive Geschichte, in dem Agnes sich in den Schnee legt und dem Kältetod in die Hände fällt. Als der Ich-Erzähler dann alleine zu einer Silvesterparty geht, lässt er die zeitweilig kranke Agnes zu Hause. Als er dann am nächsten Morgen wieder nach Hause kehrt, ist Agnes nicht mehr da. Der Computer zeigt den heimlich geschriebenen Schluss des Erzählers, in dem sich Agnes das Leben nimmt. Auch am darauffolgenden Tag gibt es keinerlei Spur von Agnes, was vermuten lässt, dass Agnes das Ende der fiktiven Geschichte in der Realität verwirklicht hat.

Die vorliegende Textstelle ist durchzogen mit den dominierenden Motiven Kälte und Tod. Agnes reißt wieder das Thema ihrer Fehlgeburt auf, woraufhin sich der Ich-Erzähler zurückzieht und in isolierter Ruhe mit dem Thema befasst. Hierbei hat sich bei ihm „eine Tür“ (Z. 16) geöffnet, welche ihn zum Weiterschreiben der fiktiven Geschichte veranlasst. Er schlussfolgert, dass er ein Ende für Agnes fiktive Geschichte finden müsse.

Die Textstelle bewirkt den Gesamteindruck, dass der Ich-Erzähler zum einen etwas mehr Einsicht in Agnes und ihre Fehlgeburt gewinnt, zum anderen aber weiß, dass er der fiktiven Geschichte ein Ende setzten muss, was, wie der weitere Verlauf des Romans zeigt, in dem Tod der Protagonistin mündet.

Der Ausschnitt beginnt mit einem Monolog, der das Thema der Fehlgeburt aufgreift. Der Leser bekommt einen näheren Bezug zur Handlung und zu Agnes selber, die sonst nur narrativ zu hören ist. In den ersten Zeilen kommt zudem auch der lakonische, nüchterne Sprachstil des Verfassers zur Geltung: „sagte Agnes“ (Z.1), oder: „sagte ich“ (Z.4). In dem kurzen Dialog zeigt sich das Desinteresse des Ich-Erzählers, aber gelichzeitig das Hängen Agnes‘ am Thema. Das hierbei übergeordnete Thema der Zeugungsunfähigkeit lässt sich auch übertragen auf eine Beziehungsunfähigkeit der beiden. Das zeigt auch der Beziehungsverlauf der beiden. Im warmen Frühling hat die Beziehung ihre Expansion mit Boom im Sommer. Als der kalte Winter einbricht, leitet sich eine Rezession ein. Die Beziehung zerbricht immer mehr und die Entfremdung der Protagonisten entwickelt sich negativ bis hin zum Tiefpunkt der Beziehung im Winter.
Wie sich hier erkennen lässt, spielt in der Beziehung das Motiv Kälte/Tod, wie auch in der Textstelle eine wichtige Rolle.

Der weitere Inhalt der Textstelle zeigt – dem oben stehenden entgegen – ein wenig Gefühl des Ich-Erzählers. Er erkennt ihre prekäre Lage und sorgt sich um sie. Gleich nachdem Agnes eingeschlafen ist, begibt sich der Ich-Erzähler nach draußen, zum See, in die Kälte: „[…] ich fror […]“ (Z. 9) schreibt er. Die Kälte in der Beziehung kann dem kalten Äußeren nicht entgegenwirken. Sie verstärkt es. An des Ich-Erzählers Ziel des Spaziergangs lässt sich erkennen, dass er sehr isoliert lebt und Gesellschaften meidet: Err geht in ein leeres Café, in dem sogar erst noch das Licht an gemacht werden muss. Der Ich-Erzähler bestellt sich dort einen Kaffee, um der Kälte des Äußeren, sowie der Kälte der Beziehung wenigstens etwas innere Wärme zu schenken. Wieder zeigt sich, dass der Protagonist isoliert lebt, denn die Kellnerin „verschwand […] wieder durch die Tür“ (Z. 10).

In einsamer Ruhe gelingt es dem Ich-Erzähler zum ersten Mal an das „Kind“ der beiden zu denken, und nicht nur an Agnes. Er verlässt die Objektive Sichtweise und denkt an das Kind. „Nicht an Margaret“ (Z. 12), schreibt er, womit er meint, dass er nicht an das Kind in der fiktionalen Geschichte, welches wohlauf ist, sondern an das „Kindsmaterial“ (S. 111, Z.24), das echte, reale Kind denkt. Negative Assoziationen prägen die weiteren Worte des Ich-Erzählers. Er schuldigt sich ein wenig an: „Ich wusste nicht einmal, ob es ein Junge oder Mädchen gewesen war“ (Z. 13-14). Hier sieht man zudem die Isoliertheit in der Beziehung, die Ich-Bezogenheit der Protagonisten. Auch die fiktive Geschichte sorgt für Leere und Beziehungslosigkeit: „Es war mir, als lebte ich nur noch in der Geschichte, als sei alles andere unwichtig, unwirklich, als sei es Zeitverschwendung zu essen, zu schlafen.“ (S.  139, Z.29). Agnes wird in eine Rolle gedrängt und entfremdet. Das äußert sich in ihrem Frieren und ihrer späteren „Krankheit“ (S. 139, Z. 29).

Mit dem Verlassen des Cafés in der vorliegenden Textstelle beginnt sich beim Ich-Erzähler „eine Tür“ (Z. 16) zu öffnen. Er behauptet nun alles klar sehen zu können, was ihn dazu verleitet wieder nach Hause zu kehren und mit dem Schreiben der Geschichte fortzufahren. Zu Hause fällt ihm sofort die Wärme auf. Wärme gibt Agnes das Gefühl nicht allein zu sein, sich geborgen zu fühlen, weshalb auch immer bei Agnes‘ Wohnung die Wärme dazu dient die Isolation und Einsamkeit zu kompensieren. Der etwas abrupt klingende Satz: „ […] aus der Kälte gekommen _ und […]“ (Z. 18) verstärkt diesen Effekt. Der Rausch des Ich-Erzählers an der Geschichte weiter zu schreiben, seine Klarheit in der Unklarheit und zusätzlich die Wärme in der Wohnung, lassen ihn eine besondere Nähe zu Agnes spüren (vgl. Z. 21).

Wie halluziniert, in einem Film, sieht der Ich-Erzähler, was er als nächstes in die Geschichte schreiben soll. Wieder sind Zeichen seiner Isoliertheit und der Abgrenzung zum Äußeren, der Gesellschaft zu erkennen: „menschenleere Bahnsteig“ (Z. 22). Auch der leere Zug steht sinnbildlich für die Leere der Beziehung. Es fehlt vieles in der Beziehung. So z.B. die fehlende Schnittmenge der beiden, welche vor allem in schweigsamen Passagen in Dialogen erkennbar ist. Das führt zu einer Distanz zwischen den beiden. Auch das Bildnis der Geschichte verhindert tiefgründige Annäherungen und Auseinandersetzungen mit Agnes als reale Person. Der leere Zug versucht diese hoffnungslose Beziehung zu veranschaulichen.

Der nächste Textausschnitt zeigt einen Ausschnitt des soeben Geschriebenen für die fiktive Geschichte. Beschrieben wird eine Silvesternacht in Korrelation mit Agens. Agnes sieht zwar nicht das Feuerwerk, das aus vielen kleinen leuchtenden Punkten besteht und somit nach Agnes‘ Definition für Glück steht, doch sie kann es hören. Das stellt eine gewisse Distanz zum flüchtigen Glück dar. Der Himmel wird von „bengalischem Feuer erleuchtet“ (Z. 27) – künstlich. In Wahrheit ist die Beziehung düster, der Himmel aus Sicht der Protagonisten dürfte also ebenfalls düster sein, doch künstlich wird er erleuchtet und versucht eine gute, vitale Beziehung vorzutäuschen. „Agnes fror […]“ (Z. 27) heißt es später. Obwohl sie dick im Mantel eingepackt ist. Es fehlt also wieder an Wärme in der Beziehung. Doch die Kälte ist diesmal anders: Sie stellt die Kälte nur fest, ohne sie zu fühlen (vgl. Z. 29). Mit dem weitergehen durch lange Straßen mit kleinen Häusern, welche den Weg länger erscheinen lassen, und etwas Musik, welche die eigentliche, wirkliche negative Stimmung unterdrücken soll, endet der Ausschnitt der fiktiven Geschichte.

Die Wärme in der Wohnung, die Nähe zu Agnes und der Rausch zu schreiben haben sich verflüchtigt. Die Euphorie vergeht und so ist der Ich-Erzähler froh, als er „endlich“ (Z .31)  nicht mehr weiterkommt. Sein vorhergegangenes Kopf-Kino löst sich auf.

Der Ich-Erzähler erkennt, dass die fiktive Geschichte nicht mehr so weitergehen kann: Es sei unzumutbar für Agnes und unerträglich für ihn (vgl. Z. 35-36). Er schlussfolgert daraus, dass er dem ganzen „ein Ende“ (Z. 36) setzen muss. Vielleicht hat er hierbei schon im Hinterkopf die Idee für ihren Tod – das Ende. Auch Agnes weiß: „[…] mit der Geschichte endet auch das Leben dieser Person.“ (S.120, Z. 5-6). Vielleicht, weil er Ich-Erzähler weiß, dass er Agnes im Schluss sterben lässt, entzieht er sich diesen Gedanken, indem er behauptet, er sei müde.

Die Textstelle endet harmonisch mit dem Einschlafen des Ich-Erzählers neben der bereits schlafenden Agnes.

Der vorliegende Ausschnitt ist aus mehreren Gründen für den Verlauf des Romans bedeutend. Zum einen zeigt er ein letztes Mal etwas Einsicht für Agnes und das ungeborene Kind. Der Ich-Erzähler schaut nicht mehr nur objektiv auf das Szenario, sondern versucht sich von dem Bildnis der fiktiven Geschichte u lösen. Dadurch, dass er das versucht, setzt er den entscheidenden Schluss für das Ende des Romans. Er sieht ein dem Ganzen ein Ende setzen zu müssen. Das Ende für die fiktive Geschichte und gleichzeitig das Ende für Agnes.

 

Klausur Bewertung des Lehrers:

Interpretationsaufsatz zu Peter Stamm Agnes

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Klausur Homo Faber:

Homo Faber

Thema  der Klausur: Max Frisch „Homo Faber“ – Werkvergleich mit Peter Stamm „Agnes“

Ergebnis  der Klausur: 12 Punkte

Textgrundlage der Klausur: Max Frisch, Homo Faber  (S. 194-196)

Aufgabenstellung  der Klausur:

  1. Interpretieren Sie die Textstelle im Kontext der vorangegangenen Handlung. Beziehen Sie die sprachliche Gestaltung mit ein.
  2. Vergleichen Sie ausgehend von dieser Textstelle das Verhältnis der Protagonisten zur Natur in den Romanen Homo Faber und Agnes.

 

Interpretationsaufsatz / Klausur (Copyright © von basissatz.com):

(hier auch als PDF-Datei zum downloaden)

Der im Jahre 1957 erschienene Roman „Homo Faber“, welcher vom Schweizer Autor Max Frisch verfasst wurde, wird vom 50-jährigen Ingenieur Walter Faber, der vollkommenen Verkörperung einer technisch und rational denkenden Existenz, wiedergegeben. Gerade weil sich Faber vor dem Zufall und dem Schicksal sicher glaubt, lässt Frisch ihn mit der außertechnischen Welt, dem Irrationalen, zusammenstoßen. Gegen Ende des Berichts, den Faber überwiegend zur Rechtfertigung geschehener Ereignisse nutzt, ist ein deutlicher Wandel seiner selbst zu erkennen: Vom Rationalisten hin zum lebensbejahenden, frohen Menschen, der es sich erlaubt, die Schönheit in den Dingen des Lebens zu sehen. Zwar kann er durch seinen Wandel dem angedeuteten Tod nicht entkommen, er lernt jedoch, sich mit ihm abzufinden und ihn nicht mehr zu verdrängen.

Der Roman „Homo Faber“ beginnt mit dem Aufbrechen des Protagonisten Walter Faber nach Caracas, um dort seiner Arbeit als Ingenieur nachzugehen. Er fliegt von New York aus mit einer Super-Constellation. Die Maschine stürzt jedoch auf halbem Wege in der Wüste ab. Hier zeigt sich zum ersten Mal Fabers naturfernes, objektiv gehaltenes Weltbild. Er sieht die Welt „so wie sie ist“ – er findet keine vermeintlich wirren Gestalten in Naturobjekten wie seine Flugbegleiter, und bezeichnet den Absturz auch nicht als „Erlebnis“. In dieser Zeit erinnert sich Faber an seine Jugendliebe und ehemalige Freundin Hanna, mit der er ein Kind erwartete, jedoch eine Schwangerschaftsunterbrechung vereinbarte.
Statt die Dienstreise nach dem Absturz fortzusetzen, macht sich Faber mit Mitreisenden auf den Weg zu einem alten Freund, quer durch schwer bezwingbare Natur. Der Leser erkennt ein zweites Mal Fabers starke Abneigung – ja geradezu Fabers Hass gegenüber der Natur. Er versucht sich vor ihr in jeder Weise zu entziehen; rasiert sich, möchte wenn es so weit ist kremiert werden.
Zurück in New York bucht Faber eine Schiffreise nach Europa. Er lernt dort, unwissentlich, seine Tochter Sabeth kennen, die nach Vereinbarung mit Hanna, nicht am Leben sein dürfte. Während der Autoreise quer durch Frankreich, Italien und Griechenland mit ihr, zeigt sich immer öfter, dass Sabeth Fabers Tochter ist. Walter Faber verdrängt diesen Gedanken jedoch und beginnt eine inzestuöse Beziehung mit ihr. Während der Reise mit Sabeth wird Faber mit einem gänzlich anderem Weltbild konfrontiert, welches weltoffen, naturfreudig und lebensbejahend ist.
Nach Sabeths Tod und dem Wiedersehen mit Hanna widmet sich Faber diesem neuen, offenen Weltbild mehr und mehr. In Cuba zeigt sich dem Leser spätestens Faber Wende.

Die vorliegende Textstelle zeigt Faber, wie er auch seinem letzten Flug über die Alpen die Natur auffasst. Er beschreibt die Schönheit der Natur sehr ausführlich und vergleicht sie spielerisch.
In der Szene findet man Walter Faber mit zeitdeckendem Erzählverhalten wieder.

In den ersten Zeilen zeigt Faber wieder die übliche beschreibende Exaktheit, die ein Bericht nach seinem Geschmack verlangt. Er nennt das Flugzeug wieder beim Namen „Super-Constellation“ und nimmt darin anschließend dezenten Bezug auf den unglücklichen Absturz mit einer baugleichen Maschine. Der Flug verläuft nun jedoch „ruhig“ (Z. 3). Begründet wird dies mit dem „Schwache[n] Föhn über den Alpen“ (Z. 3). In dem selben parataktischen Satz beschreibt Faber, welche Berge und Seen er sieht. Die einfache Syntax und die nüchterne Beschreibung prägen den Schreibstil Walter Fabers und machen dem Leser zugleich leicht erkennbar, dass Faber sich hier aus „Jungen Jahren“ (Z. 3-4) noch geographisch auskennt. Offensichtlich zeigen sich hier ein wenig Kindheitsgefühle, auf die Faber jedoch nicht weiter eingeht; er hat „anderes im Kopf“. In einer rhetorischen Frage fragt er sich, was er wohl im Kopf hat. Er verdrängt die Frage jedoch und widmet sich erneut der Beschreibung des Blicks aus seinem Fenster. Er führt hier zum ersten Mal einen Vergleich auf, bei dem er eine Herde als „weiße Maden“ (Z. 10). Erkennt. Er bezieht sich hier auf Sabeth und das Spiel das er mit ihr in jener Nacht spielte, als sie in der Natur schlafen mussten: Ein Spiel, bei dem die Natur mit etwas zutreffendem anderem beschreiben wird. Da Faber nun Sabeth nicht mehr hat, sondern nur sich selbst, überlegt er sich, was sie wohl sehen würde. Er kommt jedoch auf keinen Entschluss.
Leicht deprimiert lehnt er seine Stirn ans kalte Fenster und kämpft wohl mit seinen Gedanken an die schöne Vergangenheit mit Sabeth. Er lässt hier mit einem darauffolgenden Gedankenstrich schicksalhafte Gedanken aus und gibt seine Gefühle nicht preis. Im Anschluss folgt ein typischer, scheinbar zusammenhangsloser Kommentar Fabers: „Wunsch, Heu zu riechen!“ (Z. 12). Darauf folgt ein erneuter abschweifender Kommentar, in dem Faber erkennt, dass die sein letzter Flug ist.

Obwohl Faber weit über der Erde fliegt, wünscht er sich auf der Erde zu sein und sie zu erleben, zu fühlen und genießen. Er möchte die Natur nun nicht mehr wie früher verachten und ablehnen, sondern auf neue Weise erfahren. Den Satz führt Faber mit: „Wunsch[…]“ (Z.14) auf. Gleichermaßen beginnt auch der Satz in Zeile 17: „Wunsch, die Erde zu greifen“. Stattdessen fliegt das Flugzeug schnell davon, weshalb ihm alles wie im Film vorbeigeht.
Entgegen Fabers Wunsch auf der Erde sein zu wollen, steigt das Flugzeug immer höher.
Im nächsten Abschnitt setzt sich Faber mit der Natur als Wunder auseinander. Er bezeichnet die Zone des Lebens als Oase und erkennt, wie unglaublich es eigentlich ist: Die Atmosphäre gewährt uns nur ein paar hundert Meter in der Leben möglich ist, und diese Zone beleben wir. Faber beschäftigt sich dann mit dem Rand des möglichen Lebens, mit Blumen und Insekten, die er nicht sieht, aber von denen er weiß, dass sie noch existieren. Er fühlt die Natur also regelrecht, wird eins mit ihr.
Beim Erblicken eines Stausees führt Walter Faber wieder einen Vergleich auf, sieht den See „wie Pernod, grünlich trüber […] (Z. 26). Wieder fällt die einfache Syntax auf, die eine simple Beschreibung gewährt.
Die nachfolgenden Zeilen sind wieder mit vielen Vergleichen der Natur mit anderen Gegenständen und Farben geprägt. Er erfindet jedes Mal Sabeths fiktive Antwort dazu. Hier zeigt sich die Gegensätzlichkeit der beiden.
Auffällig ist ein Vergleich, bei dem Faber einen Felsen mit Knochen vergleicht. Seine Begründung: „[…] weil bleich und spröde“ (Z. 31). Er nimmt damit Bezug auf seine aktuelle körperliche Verfassung, die dem gleicht. Er ist bleich, spröde und nicht mehr fit.
Das Gleiten des Flugzeugschattens auf der Erde, das Auf- und Ab bezeichnet Faber aus Sabeths fiktiver Sicht als Fledermaus. Er stellt sich vor in dem Spiel nun einen Punkt zu verlieren, a er sich hierzu nichts vorstellen kann (vgl. Z. 33).
Faber schreibt wieder anderes im Kopf zu haben. Wie zu Beginn geht er jedoch nicht sofort drauf ein. Erst zwei Zeilen später gibt er das dem Leser preis. Er führt eine rhetorische Frage auf: „Wenn ich jetzt noch auf einem Gipfel stehen würde, was tun?“ (Z. 38). Er erkennt dass es „zu spät, um abzusteigen“ (Z. 39) wäre. „Es dämmert schon in den Tälern“ (Z. 39). Faber wir hier ganz offensichtlich mit dem Tod und seinem Scheitern konfrontiert. Er sieht ein Gipfelkreuz und ein einsames Licht. Das Licht schenkt vielleicht ein wenig Hoffnung, doch diese verpfuscht, als er schreibt: „[…] ein Licht, das man als Bergsteiger niemals trifft […]“ (Z. 41). Er erwähnt den Tod auch direkt und beschreibt nach diesem Exkurs das Licht dennoch als „sehr schön“ (Z. 42).
Nach weiteren Naturvergleichen beschreibt Faber Wolken wie Vorhänge. Sie fliegen hindurch, aber Faber kommt es so vor „als müsse unsere Maschine daran zerschellen“ (Z. 48). Er wird offensichtlich nochmals mit dem Tod konfrontiert, auch wegen des Absturzes in einer gleichen Super-Constellation vor ein paar Monaten. Die Vermutung liegt insofern nahem als dass sich Faber im Anschluss direkt an die Notlandung in Tamaulipas bezieht. Er habe sich seit diesem Ereignis stets so gesetzt, dass er das Fahrgestell sehen kann, wenn es ausgefahren wird. Er ist gespannt, „ob die Piste sich im letzten Augenblick nicht doch in Wüste verwandelt“ (Z. 53).
Mit diesen Worten endet die Textstelle. Man sieht vor allem hier den Wandel, den Faber durchlebt hat. In Fabers ursprüngliches Welt- und Selbstbild würde dieser letzte Satz nie und nimmer passen. Der frühere objektiv und rational denkende Walter Faber würde nie daran denken, dass sich der Boden unter den Füßen auf einmal verwandelt. Doch so wie es das letzte Wort in diesem Textabschnitt auch zeigt: Faber hat sich „verwandelt“. Der Grund für diese doch recht dubiose Vorstellung, dass sich der Boden in Wüste verwandelt, liegt jedoch nicht nur in Fabers neuem Welt- und Selbstbildnis, nein. Er möchte am liebsten die Zeit zurückdrehen, von vorne anfangen. Er möchte in der Wüste von Tamaulipas landen, um die letzten Monate zu revidieren, sie nicht erlebt zu haben und seine eigene Tochter nicht umgebracht zu haben.  Unter diesem Hintergrund und mit diesen Gedanken sehnt sich Faber die Wüste unter den Füßen herbei.

Die Textstelle ist insofern von Bedeutung, als dass sie den Leser nochmals deutlich auf Fabers Wandel im Welt- und Selbstbild hinweist. Der Leser erkennt, wie positiv Faber die Natur auffasst, und sieht den drastischen Unterschied, wenn er die Anschauung der Natur aus der vorliegenden Textstelle mit der Reise durch den Dschungel vergleicht.

Das Verhältnis des Protagonisten zur Natur spielt in „Homo Faber“ eine zentrale Rolle. Auch in Peter Stamms „Agnes“ zeigt sich Natur als dominantes Motiv. Grund genug die beiden Romane im Verhältnis Protagonist – Natur zu vergleichen.

In seinem ersten Roman „Agnes“, aus dem Jahre 1998 lässt der zeitgenössische Autor Peter Stamm seinen namenlosen Ich-Erzähler seine Beziehung zu „Agnes“ rekonstruieren, für die er ein erzählerisches Portrait ihrer Person verfasst hat, welches jedoch – so die schockierende Behauptung gleich zu Beginn des Romans – die Titelfigur „getötet“ habe.
Gleichzeitig vermischen sich, in der Rahmen- und Binnenhandlung des Romans, Schreiben, Wünsche und emotionale Konflikte zu einem gefährlichen Spiel um Liebe und Dominanz.

In „Agnes“ spielt Natur für den Protagonisten eine große Rolle. So geht der Ich-Erzähler mit Agnes gerne spazieren und in Nationalparks, in denen sie sogar in freier Wildnis übernachten und mehrere Tage verbringen. Auf Seite 58 nutzt der Ich-Erzähler sogar Begriffe aus der Natur um Agnes Verfassung zu beschreiben: „Ich schaute sie an und erkannte sein nicht. Ihr Gesicht erschien mir wie eine unbekannte Landschaft. Die geschlossenen Augen waren zu zwei Hügeln geworden, die sich in den flachen Kratern der Augenhöhlen wölbten, […]“ (S. 58). Wer so naturverbunden beschreibt und redet, muss offensichtlich ein gutes, inniges Verhältnis mit der Natur haben. Im Gegensatz zu „Homo Faber“ hat der Ich-Erzähler eine dauerhafte Affinität zur Natur, ein beständiges gutes Verhältnis. Bei Homo Faber ist das nicht der Fall. Er durchläuft einen starken Wandel bevor er die Schönheit der Natur erkennt. Walter Faber zeigt zu Beginn seines Berichts seine intensive Abneigung gegenüber der Natur, die sich am stärksten während der Fahrt durch den Dschungel zu Joachim äußert. Faber ekelt sich vor den Auswirkungen des tropischen Klimas. Die Passivität und Hitze geht ihm auf die Nerven, er reagiert polemisch. Er ist angeekelt von der Fortpflanzerei: „[…] es stinkt nach Fruchtbarkeit“ (S. 51). Dieser Fruchtbarkeit entzieht sich Faber so gut es geht, was sich vor allem in seiner Besessenheit nach Rasieren zeigt: „Ich fühle mich nicht wohl, wenn unrasiert […]. Ich habe dann das Gefühl ich werde etwas wie eine Pflanze“ (S. 27).
Bis Faber seinen Wandel durchlebt, welcher sich am meisten in Cuba äußert, zeigt Max Frischs Roman den Kampf zwischen Natur und Technik, Natur versus Walter Faber.
Mit der Zeit ändert sich Walter Faber jedoch. Sein Welt-, Selbst- und Frauenbild ändert sich radikal. Er wird lebensbejahend, entdeckt die Schönheit in den Menschen und nicht zuletzt in der Natur, was sich in der vorliegenden Textstelle auch sehr gut zeigt. Die treibende Kraft hinter dem Wandel kam zwar nicht direkt aus eigenem Antrieb, aber dennoch zeigt sich gegen Ende von Walter Fabers Bericht die Naturverbundenheit. Er hat sich gänzlich von seinem alten naturgebundenen Weltbild gelöst und gelernt sich mehr auf die Natur einzulassen.
In beiden Romanen, „Agnes“ und „Homo Faber“, zeigt sich neben dieser Verbundenheit der Protagonisten mit der Natur auch eine weitere entscheidende Tatsache: Die Natur hat in beiden Romanen mit dem Tod zu tun. So wird Agnes in der Natur bewusstlos und stirbt zum Schluss auch in der Natur. Bei Homo Faber stirbt Sabeth wegen einer Schlange bzw. wegen dem Hinunterfallen von einer Böschung.

Abschließend lässt sich über das Verhältnis der Protagonisten zur Natur sagen, dass der Ich-Erzähler in „Agnes“ ein konsistent gutes Verhältnis zur Natur hat, und nicht abgeneigt, aber auch nicht zu euphorische gegenüber der Natur ist. In „Homo Faber“ durchlebt Walter Faber einen starken Wandel, der ihn von einer stark negativen, hassenden Einstellung in eine positive Gefühlslage und Verbundenheit zur Natur bewegt.

 

Klausur Bewertung des Lehrers:

Werkvergleich Max Frisch Homo Faber und Peter Stamm Agnes